Das Problem “Borkenkäfer” – und was jetzt passieren muss…

Am Freitag den 04.09.2020 war es soweit, unser geplanter „Waldspaziergang“ mit einem Experten des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) sollte trotz Regenwetter stattfinden.

Vom Parkplatz der Gemeinschaftshalle in Herscheid aus ging es zum Böllenberg, welcher in letzter Zeit durch seine enormen Kahlflächen auch immer wieder zum Thema „Waldsterben“ und „Borkenkäfer“ vor allem auf Facebook unter Herscheidern wurde.

Zu den erfreulicherweise zahlreichen Gästen zählten neben Herrn Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND auch der Waldbesitzer selbst, Herr Dr. Matthias Dunkel, was zu einem sehr interessanten und lehrreichen Dialog zwischen Waldbesitzer und BUND für uns führte, denn für eine möglichst positive Zukunftsgestaltung muss man natürlich beide Seiten kennen und berücksichtigen.

Die erste Erkenntnis war für einige Gäste erst einmal eine große Überraschung, denn „das Problem Borkenkäfer“ ist gar nicht das größte Problem des massenhaften Fichtensterbens, sondern die globale Erwärmung bzw. die aktuell bestehende Klimakatastrophe, wie sich Herr Niemeyer-Lüllwitz ausdrückte.

Der Borkenkäfer ist ein sekundärer Schädling, das heißt er findet nur in kranken oder absterbenden Bäumen ideale Lebensbedingungen und er spielt in einem gesunden Ökosystem eine entscheidende Rolle bei der Zersetzung verrottender Totholzbestände.

Erst durch die letzten Jahre, welche allesamt zu warme Dürrejahre waren, konnte sich „das Problem Borkenkäfer“ derart manifestieren. Durch die lange und bis jetzt anhaltende Dürre werden die Fichten, welche zu den Flachwurzlern zählen, zu sehr geschwächt und können nicht genug Hartz bilden um sich gegen die Borkenkäfer zu wehren. Während eine gesunde Fichte normalerweise mit einem Borkenkäferbefall zurechtkommt, werden die geschwächten Bäume bereits durch relativ wenige Käfer dahingerafft, da sie sich durch den weichen Rindenbast fressen und so die Saftstromleitungen unterbrechen, was dazu führt das der Baum letztendlich verdurstet. Neben der Dürre sind aber auch die zu hohen Temperaturen ein wichtiger Faktor, denn bereits 16,5°C gelten als Schwellenwert, ab der die Borkenkäfer fliegen und sich vermehren können. Durch die immer wärmer werdenden klimatischen Bedingungen schaffen es die Borkenkäfer mehr Generationen pro Jahr zu zeugen, was in Kombination mit dem reichhaltigen Nahrungsangebot durch die geschwächten Fichten zu einer Massenvermehrung führt.

Das großflächige „Waldsterben“ oder „Fichtensterben“ was wir beobachten können ist jedoch menschengemacht und unser der Punkt, an dem wir angreifen können und müssen. Eine angelegte Fichtenmonokultur, wie sie in weiten Teilen rund um Herscheid zur wirtschaftlichen Nutzung angepflanzt wurde, ist natürlich ein gefundenes Fressen für die kleinen Käfer. Dort gilt es als wichtigstes Mittel der Wiederaufforstung auf eine möglichst naturnahe Mischbewaldung zu setzen. Laut Herrn Niemeyer-Lüllwitz spielen dort vor allem heimische Laubbaumarten eine tragende Rolle, wie z.B. die Stieleiche, die Süßkirsche, der Bergahorn, die Gemeine Esche aber auch Buchen und Birken. Natürlich können auch wieder Fichten und andere Nadelhölzer dazwischen vorkommen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die ehemaligen Kyrill-Flächen, wo sich mittlerweile eine meist natürliche Mischbewaldung entwickelt hat. Der Rat vom BUND: Naturpotentiale nutzen und eine natürliche Bewaldung unterstützen. Dazu zählt neben der natürlichen Aussaat von Bäumen und anderen Pflanzen auch das hinterlassen von Totholz ohne weiteren finanziellen Nutzen, um eine natürliche Artenvielfalt auch der Tierwelt und Pilze zu unterstützen, denn so entsteht ein gesunder Wald mit einem intakten Ökosystem von ganz alleine.

Natürlich ist nun auch zu beachten, das für die Waldbesitzer der Wald auch Kapital bedeutet, und auch eine ganze heimische Industrie und viele Arbeitsplätze daran hängen, und nicht zu guter Letzt interessiert sich sogar das Finanzamt für die Nutzung Ertrag bringender Nutzflächen, denn die Fichte ist eines unser wichtigsten Bauhölzer, und nicht alle Laubholzarten sind zum Bauen geeignet: sie sind oft sehr hart, zu schwer, wachsen sehr langsam oder zu klein und krumm. Und an dieser Stelle steht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, denn es muss entschieden werden welchem Zweck ein „Wald“ heutzutage dienen sollte: als Baustofflieferant, als Erholungsgebiet oder wichtiger Wasser- und CO²-Speicher? Denn letztendlich wird dieser Zweck sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch nur dann durchsetzbar und nachhaltig sein, wenn er von der Gesellschaft getragen wird.

Als wichtigstes Fazit möchten wir dennoch nennen wie wichtig es ist, unsere Umwelt und unser Klima zu schützen, denn Umwelt- und Klimaschutz bedeutet auch Waldschutz in allen seinen Funktionen, sowohl ökologisch, sozial, wie auch langfristig wirtschaftlich. Deshalb werden wir uns Zeitnah zusammensetzen um ein Konzept zu entwickeln, worin möglichst alle Aspekte dieses Artikels berücksichtigt werden, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

 

Anbei ein paar Impressionen zur Exkursion:

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